IM LAND OHNE WERTE


Wieder einmal viel zu früh aufgewacht. Kurz nach vier Uhr war es, als mir die Bettdecke zu schwer wurde. Wie so oft in letzter Zeit.

Senile Bettflucht würde es sein. So ein Freund zu mir. Keine zwei Jahre älter als ich. Er selbst ist davon nicht betroffen. Der Glückliche.

Nun sitze ich also wieder viel zu früh am Morgen am Computer und überfliege die neuesten Tagesnachrichten. Klicke mich durch die üblichen Online-Magazine. Durch die morgendliche Propaganda der Wahrheitsmedien unserer Demokratie. Während ich lese, überkommt mich der Eindruck, in einem falschen Film verhaftet worden zu sein. Was ich zu lesen bekomme, was die Wahrheit, nichts als die Wahrheit zu sein hat, liest sich für mich wie Lüge.

Eine Lüge, so oft wiederholt, bis sie zur einzigen, anzunehmenden Wahrheit wird. Es scheint, viele Menschen in heutiger Zeit sind nur zu gerne bereit, an die ausgegebene Lüge zu glauben, da die Wahrheit zur Unaussprechlichkeit, zum persönlichen Gegner wurde. Diese anzunehmen, zu akzeptieren, dazu scheint manch arme Seele wenig bereit.

Seit Jahren aktuell und auf Seite eins: ihr völkerrechtswidriger Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Putins "ohne Grund Angriff" auf die freie Ukraine, der wir helfen müssen. Gegen das böse Russland, das im dritten Anlauf endlich besiegt werden muss. Wir schaffen das. Diesmal wirklich. Koste es, was es wolle.

Des Weiteren in kleinen, verdaulichen Häppchen der unschuldigen Öffentlichkeit präsentiert. Die Epstein-Files. Heiß serviert, wenn es Trump schadet, geschmacklich eine kalte Pizza, wenn es demokratische Träume stört. Welch Abgrund, in den ich nicht schauen mag. Ein Blick in derartige Tiefen könnte Ungeheuer wecken.

Was noch an diesem Morgen. Eine drohende Gas-Mangel-Lage in der BRD? Nein. Die stört nicht. Die gäbe es gar nicht. Behaupten zuständige Volksvertreter im eisigen Berlin vor Kameras und Mikrofonen. Die müssen es wissen. Und wir wissen, wer anders denkt, anderes behauptet, sich Sorgen macht, ist ein rechtes Arschloch. Daher. Kein Energieproblem in Sicht. Die Energieversorgung ist sicher. So sicher wie der Endsieg gegen Russland.

So sitze ich an diesem Morgen wieder viel zu früh vor dem Bildschirm. Klicke und scrolle mich durch den morgendlichen Wahnsinn und ärgere mich. Ein wenig. Doch der Ärger wird bald größer, weil ich es nicht lassen kann. Ich hatte es mir eigentlich untersagt, die Leserkommentare zu den Artikeln zu lesen. Da kann es einem schon richtig mulmig werden. Mein Argwohn am gesunden Menschenverstand verstärkt sich von Kommentar zu Kommentar beträchtlich.

Meine Güte. Was die Leute alles von sich geben, wenn der Morgen graut. Welch verstörende Meinung sie unter Klarnamen oder Pseudonym der Welt offenlegen. Da frage ich mich beim Lesen, ob es wirklich ihre Meinung ist. Ob sie nicht vielleicht für ihre bösen Worte bezahlt werden. Angestellt wurden, um nicht allein nur mich derart zu ärgern. Zwietracht zu säen und ihre Leser gegeneinander auszuspielen. Agitatorisch zu indoktrinieren. Im welchen Interesse auch immer. Bis zum finalen Dolchstoß.

Ich habe vor Jahren gelesen, dass für den CIA um die 20 000 Angestellte in Foren, Chats, "sozialen Netzwerken" oder digitalen Kommentarbereichen bezahlt wirken. 20 000 bezahlte Lohnschreiber nur für diese eine, staatliche Agentur. Wie viele mögen es wohl insgesamt sein, die sich bezahlen lassen, in Lohn und Brot angestellt, um gegen die andere Meinung zu schreiben?

Viele mögen es sein, die auch in der BRD als bezahlte Lohnschreiber im Interesse eines Brötchengebers schreiben. Wie soll ich sonst die Anzahl der Leserbriefschreiber verstehen, die ein derartiges Geschwurbel absondern? Die nach deutschen Atomwaffen gegen Russland schreien. In Kommentaren vor dem Krieg, sich tausende, nach Deutschland geflüchtete Ukrainer zurück an die Ostfront wünschen. Die weiterhin mRNA-Impfungen unterstützen und Zwangsimpfungen empfehlen. Windräder lieben. E-Autos subventioniert wissen wollen. Die noch immer mehr Zuwanderung wollen. Das AfD-Verbot einfordern, damit die von ihnen gewählte Einheitspartei es unangefochten über die nächste Ziellinie schafft. Verdammt. So viele Verirrte kann es draußen im Land nicht geben. Oder doch?

Auch ich habe vor fast zwanzig Jahren einmal daran gedacht, im Interesse zu schreiben. Ich hatte die 40 überschritten, kam in eine Midlife-Crisis, weil kein Geld, kein Erfolg, keine Zukunftsaussicht, (nicht, dass sich daran etwas geändert hätte), und war bereit, mein Gewissen zu verkaufen. Irgendwo las ich zu der Zeit, dass eine große deutsche Mediengruppe "Lohnschreiber" suchte. In Heimarbeit. Mehr als 3000 Euro wurden geboten. Meine Güte, dachte ich. So viel Geld hatte ich auf dem Bau in Doppelschicht nicht verdient. Also bewarb ich mich. Tage später ein erstes, positives Telefongespräch. Wieder Tage später dann jedoch die Absage. Vielleicht hatten die meinen Namen "gegoogelt" und hatten Lunte gerochen.

Schon schade. Hätte ich doch damals gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe erschlagen können. Wie einst Günter Wallraff von tief unten aus der Hölle der Verdammnis live berichten können. Warum und für wen ich über ein mir aufgetragenes Thema zu berichten habe. Aber dazu kam es damals nicht.

Heute kann ich mir daher vormachen, in meiner Blase anständig geblieben zu sein. Mich nicht mit den Schmuddelkindern aus der Oberstadt gemein gemacht zu haben. Aber war es das wert?

Ist es nicht ein besseres Leben, mit gut bezahltem Job, gefülltem Konto, gesellschaftlichem Renome und gelobter Arbeit für Regierung, Wokisten, NGOs, diverse Initiativen, der ganzen Villa Kunterbunt, dort zu leben und zu arbeiten, wo die Bundesverdienstkreuze wachsen?

Wäre es denn kein besseres Leben, sich der woken Agenda unterzuordnen? Alles, wirklich alles für gut und richtig zu befinden und weiterzugeben, wie es vorgesagt wird? Sich mit unerforschten mRNA-Mitteln „impfen“ zu lassen, um Grund- und Freiheitsrechte behalten zu dürfen? Über seine politischen Ansichten, sein Wahlverhalten zu schweigen, um Arbeitsplatz, Pensionsansprüche, seine Menschenrechte nicht zu verlieren? Hatte ich es nicht besser im heutigen Deutschland, wenn ich die Schwarz-Rot-Goldene Fahne und das, was sie bedeutet, miss- wie verachte? Statt der Landesfahne die Regenbogenfahne vor dem Haus präsentiere? Im heutigen Deutschland hätte ich ein besseres Leben. Doch welchen Wert hätte dieses Leben für mich?

Möglicherweise haben Personen wie Böhmermann und Dunja Hayali in ihrem Leben alles richtig gemacht. Sie und die vielen anderen systemrelevanten, genehmen Journalisten und Künstler mit ihren Auszeichnungen, Ehrungen, Preisen und Förderungen. Erhalten für ihre Dienste. Der Selbstaufgabe. Dem Kniefall vor der Macht.

Wie dem auch sei. Mir zumindest eine Überlegung wert, betrachte ich mein kleines, unzufriedenes Leben in ihrer selbstzufriedenen, schönen, neuen Realität. Im Land ohne Werte.


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