Neulich postete ich dieses ca. fünf Jahre alte Foto aus meiner Region mit Blick auf die Asse. Damals war es Ende April, vielleicht Anfang Mai. Die Rapsfelder blühten, die Sonne schien und der Kirchturm des Nachbardorfes rundete das Bild romantisch ab.
Würde ich heute, vom gleichen Standort aus das Foto machen, so wäre rechts des Kirchturmes der neue Windpark zu sehen. Einer von vielen, die in unserer Region in den letzten Jahren entstanden sind. Links des Kirchturmes, auf der Anhöhe, eine Neubausiedlung. Diese eher unromantische Veränderung meiner neuen Sicht auf das Nachbardorf kommentierte ich zu dem alten Foto.
Schnell konnte ich einige Kommentare zu meinem Post lesen. "Immer noch besser als ein schönes Atomkraftwerk vor deiner Nase." Oder: "Willst du lieber dreckigen Atomstrom?" , "Windenergie ist die Rettung für unser Klima". Weiter: "Bist du jetzt rechts, da du Windräder kritisierst?". Leider auch: "Ah, hier hat sich ja ein AfD-Sympathisant geoutet."
Zur allgemeinen Antwort schrieb ich: Heute sind nicht nur Windparks von meinem Haus aus zu sehen. Gleich hinter der Turmspitze der Kirche, unter dem Berg, ist das "Zwischenlager" Asse. Luftlinie keine drei Kilometer entfernt. Nur fünfzehn Kilometer entfernt, Richtung Salzgitter Schacht Konrad. Und ca. 65 km weiter rechts, Richtung Nord-Ost, ist Gorleben. Alles voll mit atomarem Müll. Fast scheint es, dass die Politik, unabhängig einer regierenden Partei, seit Jahrzehnten meine Region, Land wie Menschen zu hassen scheint. Abgeschrieben hätte, da sie unser schönes südöstliches Niedersachsen entweder als Atomdeponie oder Windradland betrachtet.
Wenn ich heute in drei Himmelsrichtungen schaue, sehe ich, kein Spruch, hunderte, nachts blinkende Windräder. Da die neuesten keine 2 km entfernt sind, kann ich sie auch hören. Zudem. Zwei weitere "Parks" sind genehmigt und werden demnächst gebaut.
Ja, unheimlich ist es geworden. Mein fremdbestimmtes Leben. Aber von diesem sind Städter in der Regel verschont. Diese sehen und hören wenig von den Auswirkungen, meines Erachtens, falscher Politik.
Ein Kommentator schrieb: "Aber wo soll der Strom denn herkommen? Im Sauerland kann man viele Windräder errichten. Da ist noch Platz."
Tja,
was sollte ich antworten? Da der "Platz" im eigenen Land nun einmal
nicht reicht. Alle
derzeit bestehenden Windanlagen und Solaranlagen reichen für ca. 25 %
des eigenen Energiebedarfes. Um 100 % aus Wind und Sonne zu erreichen,
ist die
Landfläche zu gering. Sei denn, "sie" gewinnen ihren Krieg
gegen Russland und "expandieren" in östliche Regionen, (unwahrscheinlich), oder die heimische Industrie wird weiterhin
abgebaut und letztendlich stillgelegt. Sehr wahrscheinlich. Bedeutet im Grunde die Umsetzung des Morgenthauplans. Ohne deutsche Industrie, die in den letzten vier Jahren ein viertel an Kraft einbüßte, indem sie pleiteging, dichtmachte oder wegen zu
hoher Energiekosten ins Ausland abwanderte,
braucht es weniger Strom. Mag sein, dass dies Ziel manch einer
Partei ist. Ob für den Bürger von Vorteil, bezweifle ich.
Noch kauft Deutschland derzeit benötigten Atomstrom aus Frankreich, Tschechien und anderen Nachbarstaaten ein. Dieser kommt oft aus alten, unsicheren Anlagen. Da die neueren, "sicheren" A-Werke im eigenen Land gesprengt oder geschlossen wurden, bauen Anreiherstaaten wie Frankreich, Tschechien, Polen oder Schweden neue. Aus Gründen direkt an den Grenzen zur BRD. Zudem wurden, siehe u.a. Hamburg, die saubersten Kohlekraftwerke im Land gesprengt. Dafür baut China allein im letzten und in diesem Jahr ca. 500 Kohlekraftwerke. Es ist ein schöner Traum, als einziges Land auf der Erde die Welt vor dem industriellen Kollaps zu retten, indem man es deindustrialisiert, bzw. das Leben in diesem so teuer macht, dass es unbezahlbar wird. Wie auch immer.
Vielleicht ist es ja besser, in einem schönen Traum zu sterben, um nicht in einem Albtraum zu leben. Oder andersherum. Ein jeder nach seiner Fasson.

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