Leute, wie schnell Zeit vergeht. Seit einer geschlagenen Stunde lasse ich meine Gedanken rotieren. Auf der Suche nach einem beginnenden Satz für diese Kolumne. Und? Das Hirn fährt Kettenkarussell.
Mit dem Resultat, nach jeder Runde habe ich dasselbe Bild vor meinem geistigen Auge. Bundeskanzler Merz, wie er dem neuen, syrischen Machthaber Ahmed al-Scharaa, die Hand schüttelt und den deutschen Steuerzahlern vermeldet, Syrien zweihundert Millionen Euro bereit zu stellen. Unter anderen.
Dieses befremdliche Bild vor Augen, erinnere ich mich an einen Jahrmarktbesuch meiner Kindheit. Daran, was geschah, als ich reichlich Zuckerwatte und eine Runde zu viel im großen Kettenkarussell drehte, und, nun, Sie können sich denken, was damals geschah. Ein ähnliches Gefühl überkommt mich eben beim zuvor angesprochenen Bild zweier Männer mit Uhren am Handgelenk.
Gut jedoch ist, dass ich mich hier zu diesem, nennen wir es, Ereignis nicht weiter auslassen brauche. Wer hier mitliest, tut dies entweder freiwillig und weiß, wie und was ich meine, damit anzudeuten versuche, oder er/sie/es tut es aus beruflichen Gründen. Was eher schlecht ist.
Auch schlecht ist. Ich und viele andere auf den sogenannten, alternativen Formaten schreiben im Kreis. Schwimmen in unserer Blase. Bewegen uns im gleichen Dunst. Tasten uns zaghaft durch den täglichen Nebel des Grauens. In der Hoffnung, ein klein wenig Aufmerksamkeit zu wecken. Dass jemand außerhalb unseres Kreises mitliest. Nicht aus Gewohnheit oder beruflichen Gründen. Vielleicht aus Zufall. Und möglicherweise, es könnte sein, dass er zu uns überläuft. Auf die vermeintlich andere, die böse Seite der Meinung überläuft, weil ihm gefällt, was er zu lesen bekommt. Er sich verstanden fühlt. Unter seinesgleichen wägt. Das wäre was. Ein kleiner Gedankenschritt für den Menschen. Ein großer für die eigene Meinung.
Tja. Diese eigene Meinung. Das ist schon so eine. Ist es denn die richtige? Oder doch die falsche? Wer weiß es? Seit sich im Jahre 2020 die alte, unsere gemeinsame Realität gespalten hatte. Es heute zwei zu geben scheint. Und das Perfide an diesen zwei Realitäten ist:
Die eine, die nicht die meine ist, hat die Oberhand. In dieser habe ich die falsche Meinung und bekomme das seit 2020 zu spüren. Will ich das noch einmal? Im Jahr sechs nach Corona? Lieber nicht. Daher, in ihrer Realität die richtige Meinung zu derzeitigen Energiefragen:
Es wird keinen Energielockdown aufgrund einer möglichen Versorgungskrise geben.
Deutschland ist mit seiner Energiepolitik gut aufgestellt, führend in der Welt, was saubere
Energiegewinnung betrifft. Die Stromkosten werden sinken und private Haushalte entlasten.
Die Gasspeicher für den kommenden Winter werden zeitnah gefüllt.
15-Minuten-Städte sind nur Gerede.
Niemand hat die Absicht … na, Sie wissen schon.
Ist es nicht erstaunlich, wie weit Land, Regierung und ein Teil der Wählerschaft in ihrer Realität sich unangreifbar zu glauben eingerichtet haben? Dass ich die heute Verantwortlichen nur beim Namen nenne, ihre eigenen Aussagen zu wiederholen brauche, um sie so entblößen zu können?
Es reicht schon, Bundeskanzler zu schreiben. Wen immer ich damit meinen mag. Nur dies eine Wort. Mehr braucht es dieser Tage nicht, um eine neue, andersartige Dreifaltigkeit absoluter Inkompetenz, des Meineides und Widersprüchlichkeit in Abhängigkeit in den Raum zu stellen.
Schreibe ich Bundesregierung, denken heute nur wenige Bürger an eine kompetente, politische Führung. An gewissenhafte Politiker, die schworen, ihre Kraft dem deutschen Volke, (darf das heutzutage so noch geäußert werden?), zu widmen, seinen Nutzen zu mehren und Schaden von ihm zu wenden. Nein. Die Mehrheit der Bürger, gar deren Wähler, denkt da heute an eine Clique steuerfinanzierter Deregulierer unseres Landes, das einst Heimat war.
Mich erinnern die heutigen Zustände an den Frühling 1989 in der Ehemaligen. Nun denn, warten wir es ab. Der Sommer wird kommen, wie darauf der Herbst. Und das Ende dieses Jahres könnte manch einen mehr überraschen, als er es sich zu Ostern wünschen mag.
Und ich wünsche, dass endlich dieses ärgerliche Bild mir aus dem Kopf gehen mag. Das Händeschütteln zweier Männer in Verhandlung. Über Millionen Euro Steuergelder und Millionen Menschenleben. Über unsere Köpfe hinweg.
Manch einer mag wohl wissen, wie ich es meine. "Über die Köpfe hinweg"

Kommentare
Kommentar veröffentlichen