Wenn das Schreiben über die Lage überflüssig scheint, weil alles schon einmal gesagt wurde. Wenn ein jedes weitere Wort in dieser Unzeit sinnlos ist, da es keine Änderung der aufgeführten Tragödie bewirken kann.
Ende 2020 fragte mich Alexander, ob ich für ihn nicht eine wöchentliche Kolumne
schreiben mag. Mit Kolumnen kannte ich mich nicht aus. Aber
egal. Corona, die indirekte Zwangsschlumpfung und meine eingeschränkten,
mir genommenen Freiheits- und Persönlichkeitsrechte hatten
mich nachdenklich und oft richtig wütend gemacht.
Die
Möglichkeit, mir
mittels des geschriebenen Wortes Luft zu verschaffen, kam da zur richtigen
Zeit. Ich sagte zu und begann, einmal die
Woche unter ALEXANDER-WALLASCH.de abzuliefern. Von Anfang Januar 2021 bis dieses Jahr. Mehr als fünf Jahre lang.
In diesen fünf Jahren
machte ich mir wöchentlich Luft. Ich regte mich auf und klagte an. Ließ der
eigenen Meinung an langer Leine freien Lauf. Ich kritisierte und
schimpfte über den politisch, wirtschaftlich wie
gesellschaftlich eingeschlagenen Weg. Der, meines Erachtens, Deutschland mit Karacho gegen die Wand fährt. Wie, warum und wieso, nun, darüber habe ich in den Jahren ausführlich geschrieben. Wen es interessiert und wer mag, kann gerne bei WALLASCH in meinen Kolumnen nachlesen, worüber ich hier und heute nicht mehr schreiben mag.
Was würde es
auch ändern, jedes weitere Wort zum, im Interesse arrangierten,
europäischen Untergang? Nichts. Besser ich würde über
meine, vor
drei Jahren gepflanzte Kastanie im Garten schreiben. Wie sie vor Wochen das erste mal blühte. Über die Vorfreude, vielleicht in
wenigen Jahren unter ihr im Schatten sitzen zu können. Darüber berichten, wie ich
in diesem Jahr meinen Gemüsegarten neu bestelle. Über den erhofften Ertrag der
kommenden Ernte. Das Einmachen von selbstgepflückten Obst im Herbst.
Ist
es nicht erfüllender, über Dinge zu schreiben, die man im kleinen ganzen beeinflussen
kann? Die das Leben bereichern und Freude bereiten?
Ist es nicht sinnvoller, darüber zu schreiben, als weiterhin über Dinge,
die nicht mehr zu ändern sind? Die, so macht es auf mich den Eindruck, ohnehin kaum jemand ausserhalb meiner unwoken Blase lesen mag. Und in den Ballungszentren unseres vergehenden Landes,
schaue ich auf die Wahlergebnisse eher nicht gelesen werden.
So werde ich weiterhin auf dem Land leben. Fern der Städte. Versuchen, diese und ihre Menschen
zu meiden, es sei denn, ich muss notgedrungen dorthin. Z.B. wegen eines Arztbesuches. Vielleicht einmal wieder zu einer Lesung. Sollte ich eingeladen werden.
Zu meinem Geburtstag
im nächsten Monat schenke ich mir übrigens ein Buch. Eine
Zusammenstellung meiner Lieblingskolumnen gedruckt auf richtigem Papier. In Eigenarbeit. Das Cover mache ich ebenfalls selbst, da lasse ich keine KI ran. Die kommt mir nicht ins Haus. Ach ja, und ein Roman ist derzeit ebenfalls in der Mache. Der spielt in den achtzigern. Als die heimische Welt noch relativ in Ordnung schien. Aber darüber später mal mehr.
----------------------------------------------------------------------------------------------
Text KI-Frei. Foto: Christian Witt

Kommentare
Kommentar veröffentlichen