Letzte Woche
fuhr ich in das nächste Dorf zum Einkaufen. Dort angekommen, ging ich vom
Parkplatz in den Laden an einem Stapel Bücher vorbei.
Irgend jemand hatte sie vor dem Laden auf einer Anrichte zum Mitnehmen gelegt. Wer wollte, konnte beherzt zugreifen und sich eines oder mehrere einstecken.
Es waren zumeist Romane. Die
Bücher stammten aus den Sechzigern und Siebzigern. Manche gebunden. Hardcover, wie das heute heißt. Wahrscheinlich war wieder eine alte Leseratte verstorben und die Erben konnten mit diesem Teil des Nachlasses nichts anfangen und entsorgten die Bücher beim Gang zum Supermarkt. Einige Autoren kannte ich gut. Andere nicht. Die ich kannte, gehörten zu meiner Jugend- und auch Schullektüre. Lessing. Remarque. Borchart.
Frisch und dergleichen. Ob Remarque und Frisch noch heute an Schulen
gelesen werden und wenn ja, mit Interesse? Ich bezweifle es. "Im Westen nichts Neues“ von Remarque wäre in Betrachtung einer neueren deutschen Interessenpolitik an Schulen da eher kontraproduktiv. Lektüre wie diese könnte die nötige Wehrbegeisterung der Jugend für den geplanten Bedarf mindern.
Die mich interessierende Bücher
stehen daheim in mehreren Zimmern in den Regalen. Gestapelt in
Kisten im Keller und auf dem Dachboden. Beizeiten überfällt mich der
bedrückende Gedanke, dass in diesen Büchern für mich nur unnützes Wissen
steht. Haben sie mir, letztendlich, doch kein "besseres Leben"
ermöglicht. Vielleicht sogar auf falsche Wege geleitet. Ins Irrlicht geführt. Ich mich in fünf Jahrzehnten mittels vermeintlicher Fach- Sach und Weltliteratur womöglich an den gesellschaftlichen Rand gelesen habe. Seit 2020/21 hat sich dieser Eindruck verfestigt.
Hört sich deprimierend an. Ja, weiß ich selbst. Doch zu welchen Gedankengängen hat mich das
geschriebene Wort abendländischer Literatur verleitet? Zu denen, die mich
zu dem machten, der ich heute bin. Zu einem "Waldgänger" letztendlich. Einen, der, ein Beispiel, Krieg vollkommen scheiße findet. Der Menschen beängstigend findet, die "in Aktien" machen. Schlimmstenfalls sich an der
Wertsteigerung ihrer "Rheinmetall-AG-Aktien" erfreuen. Blutaktien, die ihnen ein Leben in
Saus und Braus fernab des dazu erforderlichen Fleischwolfes ermöglichen.
Zurück
zum geschriebenen Wort auf Papier, dessen ich leid geworden
bin. Bringt es mir die Miete ein? Nein. Hat es mir auf
Jobsuche geholfen? Nein. Mir ein gutes, besseres Leben eingebracht?
Obwohl. Kommt eben darauf an, was man sich unter diesem "besseren Leben" vorstellt.
Schaue ich auf die letzten Jahrzehnte zurück, hätte ich auch gleich nach der
Grundschule abgehen können. Vier Jahre waren, wenn ich so darüber nachdenke, ausreichend für mich. Ich hätte keine Bücher lesen müssen, um die meisten
der Jobs zu machen, die ich bis heute mache. Sogesehen, waren die
restlichen zehn Schuljahre, sowie Lehr- und Studienjahre verjubelte
Lebenszeit. Im dunklen Jetzt betrachtet.
Die
mir verbleibenden Jahre möchte ich jetzt "aufgeräumt" verleben. Soll heißen: Bis auf meine TOP-100 meiner Lieblingsbücher das Haus von den mehr als tausend anderen befreien. Die im Keller, auf dem Dachboden, in Kisten und Koffern. Ecken
und Kanten. Was nicht leicht ist. Meine Angebote auf KLEINANZEIGEN, EBAY und mehreren Antiquariatsportalen haben bisher kaum Interesse hervorgerufen. Bücher scheinen heutzutage nur wenige Menschen noch hinter der Wärmepumpe hervorzulocken. Bücher haben, wie andere Dinge in heutiger Zeit deutlich an Wert eingebüßt.
Wer noch Interesse an Büchern haben sollte, Platz hat, darf sich gerne bei mir melden. Zu haben sind Bücher
über Philosophie. Religionen. Geschichte. Soziologie. Politik. Heilkunde. Kochbücher. Gartenbücher. Sachbücher. Reisebücher. Völkerkunde. Natur- und Tierbücher. Auch Romane (gute) sind dabei. Alles unnützes Wissen in heutiger
Zeit.
Foto: TK
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