Es gibt Bücher, die einen Menschen prägen können.
DIE REBELLION DER GEHÄNGTEN von B. Traven gehört zu jenen, die meine Sicht auf das Leben mit beeinflussten. Ich muss 12, vielleicht 13 gewesen sein, als ich es aus dem Buchregal meines Stiefvaters entnahm. Das Cover stach mir fast das Auge aus. Nun, „Buchregal“ ist untertrieben. Das Regal von Horst nahm zwei Wände des Wohnzimmers ein. Die Bücher, die ungeordnet, übereinandergestapelt dort die nächsten Jahre meine Begleiter wurden, sie waren die guten. Zuerst las ich die von Steinbeck. Borchard. Melville. Hugo. Remarque. London. Später die von Voltaire. Hesse. Hemingway. Baudelaire. Satre. Camus. Auch wenn ich damals nicht wirklich kapierte, was sie schrieben. Aber egal. Hauptsache Lesen. Mein Stiefvater hatte nicht studiert. War ein, wie gesagt wird, "einfacher Arbeiter". Er wurde mit 16 1/2 im Sommer 1944 an die Front geschickt. Von dem, was er dort erlebte, berichtete er mir nicht ansatzweise. Doch ahnte ich damals, dass es mehr als schrecklich gewesen sein muss. Ich erinnere mich an manche Nacht, in der ich ihn schreiend, von immer wiederkehrenden Albträumen geplagt, aus dem elterlichen Schlafzimmer hörte. Aus englischer Kriegsgefangenschaft, aus Nordafrika zurückkehrend, hieß es, anzupacken. Ein neues Deutschland aus Schutt und Asche mit zu errichten. Er und die Seinen, die den Krieg überlebten, haben es ja irgendwie geschafft. Ohne psychische Betreuung und Medikamente.
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