Gestern fuhr ich in die Kreisstadt. Ich fragte in einem Antiquariat nach, ob Interesse an 42 Bücherkisten bestehe. Diese Kisten stehen vollgestapelt im Keller. Seit Jahren. Das tut den Büchern nicht gut.
In den vergangenen Jahren musste ich leider mehrere Kisten entsorgen, da der Zustand der Bücher von feucht über schimmlig bis verwesend überging. Meine TOP‑200 stehen behütet und gelesen im Wohnzimmer in Holzregalen an zwei Wänden.
Ich versuchte manches, um meine Kellerbücher unter die Leute zu bringen. Ich will sie ungern in der Papiertonne entsorgen oder gar im Ofen verbrennen. Mehrere Auslagestellen in der Umgebung bestücke ich inzwischen regelmäßig. Ihr kennt diese Buchauslagestellen. In umgestalteten Telefonzellen oder alternativen Läden. Meine EBAY- und KLEINANZEIGEN-"UNTER PREIS"-Bücher oder Auto-Magazinsammlungs Angebote finden selten Interessenten. An einem Wochenende vor Jahren bewarb ich einen Tag der OFFENEN GARAGENTÜR. In unserer Doppelgarage bot ich sie auf Bänken und Tischen feil. Große Bände oder gebundene Bücher von 5 bis 1 EURO, Taschenbücher 50 bis 20 Cent. An dem Tag verkaufte ich keine zehn Bücher. Bücher, für die ich einst Hunderte Euro ausgab. Ich nahm an dem Tag keine zwanzig Euro ein. Interessenten, denen 1 Euro zu teuer war, schenkte ich das Buch. Ich war des Handelns müde, des Redens überdrüssig.
Wie wunderbar doch, würde ich das Geld zurückerhalten, das ich in fünfzig Jahren für Bücher ausgab. Heute betrachtet, war es die Ausgaben nicht wert. Letztendlich unnützes Wissen, das weder die Miete einbringt, noch die ausstehende Zahnarztrechnung begleichen kann. Wie dem auch sei.
Für die Fahrt in die Stadt lieh ich mir den Wagen vom Nachbarn aus. Ich selbst besitze seit mehreren Monaten kein Fahrzeug mehr. Mein letzter Wagen hatte Achsenbruch. Die Reparaturkosten überstiegen nicht nur mein Vorstellungsvermögen. Aber egal. Meinem Nachbarn versprach ich zu tanken. In der Stadt angekommen, fuhr ich die nächste Tankstelle an. Der Liter Super kostete 2,39 Euro. Für meine zwanzig Euro bekam ich acht Liter und ein paar Tropfen mehr in den Tank des PS‑starken Ungetüms. Hoffentlich reichte das für die Fahrt.
In der Innenstadt die übliche Parkplatznot. Ich fuhr etliche Kilometer Runden, bis endlich einer frei wurde. Im Antiquariat angekommen schilderte ich die Kellerbuchsituation. Ein vager Besichtigungstermin vor Ort wurde nicht ausgeschlossen. Die Hoffnung auf eine adäquate, finanzielle Übernahme wurde jedoch schon im Laden geschmälert. Meine mitgebrachte, geerbte Notgeldsammlung fand zwar Beachtung, aber kein Kaufinteresse. Derzeit gäbe es von derartigen Sammlungen auf dem Markt ein Überangebot. Soweit so schlecht. Unverrichteter Dinge machte ich mich auf den Heimweg. Zurück in mein Dorf. Einnahmen: NULL. Ausgaben: 20 Euro für Benzin, 1 Euro für die Parkuhr und die Kosten für den Einkauf im Discounter.
PS. Sollte jemand Interesse an meinen Kellerbüchern haben. Zum Teil in all den Kisten auch politische Bücher und Unterlagen der ehemaligen BUNDESGRENZSCHUTZ-BIBLIOTHEK Helmstedt über Agitation, Propaganda und Menschenführung beider Seiten. Zudem, kistenweise "Russen", Politik, Geschichte, Psychologie, Soziologie, Philosophie, Literatur, Bildbände, würde mich das, zeitnah, freuen. Denn spätestens Ende dieses Jahres muss der Keller leer sein. Auf die eine oder andere Weise.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Wer weiterhin mein Geschreibsel lesen mag, kann mir über PayPal eine kleine Energiespende zukommen lassen. Über: toddn@gmx.de. Mein letztes Buch: RAUS AUS DER ANGST bestellen (ISBN: 978-3-7375-9232-1) oder meine Kellerbüchersammlung günstig erwerben. Dankeschön!

Kommentare
Kommentar veröffentlichen