Ernest Hemingway, Hem, wie ihn Freunde nennen durften, gab sich am 2. Juli 1961 in seiner Jagdhütte in Ketchum, Idaho/USA, die Kugel. Ein wildes, schöpferisches Leben, das 61 Jahre währte. Er erschoss sich, wie es sein Vater 33 Jahre zuvor schon tat. Mit einer Flinte, die er als seine „glatte, braune Geliebte“ bezeichnete.
Wie ich darauf jetzt in meinem LAGEBERICHT-BLOG komme? Aus dreierlei Gründen. Die erste, nebensächlichere ist, ich habe Hem, sorry, Ernest inzwischen an Lebensjahren um derer zwei überholt. Mag daran liegen, dass zu gewissen, üblen Zeiten keine "glatte, braune Geliebte" neben mir im Bett lag, dass Depressionen und Krankheiten mein Leben bisher noch nicht an die eine, letzte Grenze schoben, um sie scharf zu machen und abzudrücken. Aber wahrscheinlich würde mir dazu ohnehin der Schneid fehlen. Aber Mann weiß es vorher nicht. Und danach, na, danach ist egal. Wie auch immer, niemand muss sich jetzt Sorgen um mich machen. Alles gut. Ich trinke, im Gegensatz zu Ernest, seit längerem kaum alkoholische Getränke, habe Nikotin und THC abgeschworen und von anderen, geistigen Mittelchen ist selbst das theoretische Wissen inzwischen in Vergessenheit geraten.
Der zweite von drei Gründen. Ich habe, obwohl jetzt älter als Ernest, weder den Pulitzer- noch den Nobelpreis erhalten. Ja, warum denn eigentlich nicht? (Ich mache Spaß.)
Zum dritten, gewichtigen Grund des heutigen Textes. Ich bekomme, nicht wie Ernest in meinen Sechzigern, Ladehemmung vor einem leeren Blatt Papier. Ergebe mich nicht der Schreibblockade. Bei mir ist es anders. Es ist etwas anderes, das mich hemmt. Mir beizeiten, über Wochen, das Schreiben verleidet.
Es ist die Frage: Warum? Macht es noch Sinn? Wieso über eine Welt schreiben, die in Scherben fällt? Die es bald, wie wir sie kennen, so nicht mehr geben wird. Und überhaupt. Wen interessiert das ganze Geschreibsel über Not & Elend in heutiger Zeit, über all den Wahnsinn und die Verrückten, die in Politik und Wirtschaft die Macht übernahmen überhaupt? Ein Fragezeichen killt das nächste.
Fragen, mit denen sich Hemingway 1961 wohl eher wenig beschäftigte. Und mit profanen Geldsorgen wahrscheinlich ebenso nicht. Depressionen waren es, die ihn über Jahrzehnte quälten. Und Schmerzen. Beides im Großformat. Gut, ich habe derzeit mit Zahnproblemen meine täglichen Sorgen und nächtliche Kämpfe um ruhigen Schlaf. Hier ein Implantat, jahrzehntealte Kronen müssen gewechselt werden, die vermaledeite Wurzelkanalbehandlung die, obwohl die Nerven gezogen weiterhin Probleme macht. Du meine Güte, was das heutzutage alles kostet, wenn man nicht das Gebiss von der Krankenkasse anzunehmen bereit ist.

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